Die richtige Bewerbung

Mit dem Halbjahreszeugnis bewerben und auf Sorgfalt beim Anschreiben achten

Berufsberaterin Judith Küsters zeigt häufige Fehler von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz auf und gibt Tipps, wie die Suche nach und die Bewerbung um eine Lehrstelle erfolgreich verlaufen kann.

Mit welchem Zeugnis bewerbe ich mich?

Bei vielen größeren Unternehmen läuft die Bewerbungsfrist für einen Ausbildungsplatz bereits im Frühjahr oder zu Beginn des Sommers ab. In diesem Fall gilt für Schüler, dass sie sich mit dem Halbjahreszeugnis bewerben müssen. Allerdings, schränkt Judith Küsters, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur, ein: „Wer sich für einen Ausbildungsplatz in der Verwaltung oder bei einer Bank bewirbt, sollte nicht auf das Halbjahreszeugnis warten, sondern sich mit dem Zeugnis vom Sommer bewerben. Das Halbjahreszeugnis kann man immer noch nachreichen, wenn man im Bewerbungsverfahren steckt.“

Besonderheit beim Halbjahreszeugnis

Außerdem gibt es eine Besonderheit beim Zeugnis, das an den Schulen Ende Januar vergeben wird: „Im Halbjahreszeugnis werden unentschuldete Fehlzeiten aufgeführt“, sagt Küsters. „Diese sehen auch die Arbeitgeber, die sie oft mit Unzuverlässigkeit gleichsetzen – deshalb sollte man sie unbedingt vermeiden.“ Weiter empfiehlt sie, bei schwächeren Noten auf dem Halbjahreszeugnis eine kleine Begründung zu schreiben. „Falls beispielsweise sich die Noten nach einem Schulwechsel verschlechtert haben, sollte man gegebenenfalls das vorherige Zeugnis in die Bewerbungsmappe aufnehmen“, rät Küsters.
Aktuell gibt es laut KĂĽsters in der Region noch viele freie Lehrstellen in folgenden Bereichen: Verkauf, Lager, Pflege,Gastronomie, Anlagenmechaniker, Einzelhandel und Automobilkaufmann.

„Was jetzt kommt, sind die medizinischen Fachangestellten“, weiß Küsters, „hier werden uns die freien Stellen meist erst jetzt gemeldet.“

Zweigleisig fahren

Es bietet sich laut Küsters an, zweigleisig zu fahren: am Berufskolleg anmelden und um eine Lehrstelle bewerben. Doch gerade in diesem Zusammenhang hat die Berufsberaterin festgestellt: „Vor der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse sind die Schüler noch erreichbar, sagen, dass sie eine Ausbildung beginnen wollen. Sie bewerben sich aber dennoch nicht.“ Nach den Zeugnissen vollziehe sich dann ein Wandel: Viele Schüler sagen nun, dass sie lieber das Berufskolleg besuchen möchten, um beispielsweise dort die mittlere Reife zu machen. „Dieser Weg ist einfacher, als eine Bewerbung zu verfassen“, erläutert Küsters. „Das Berufskolleg ist in diesem Fall ein Mittel zum Zweck: Die Schüler wählen diesen Weg, weil sie sich nicht genügend mit einem möglichen Beruf auseinandergesetzt haben.“ Dazu gibt sie den Tipp, die Eignungstests und Berufswahltests der Arbeitsagentur zu nutzen sowie sich mit Eltern, Freunden und Bekannten über deren Berufe und mögliche Lehrberufe zu unterhalten.

Doch ist dies nicht der einzige Fehler, den die Jugendlichen oft machen, weiß Küsters aus zahlreichen Trainings und Infoveranstaltungen an Schulen in der Region: „Das Erstellen einer Bewerbung wird von vielen Schülern immer nicht noch ernst genug genommen. Das zieht sich durch alle Klassen, von der Haupt- über die Realschule bis zum Gymnasium.“ Die Schüler tun sich ihrer Erfahrung nach schwer, eine Vorlage zu nehmen und eine saubere, adäquate Bewerbung zu schreiben.

 Mit Individualität

Typische Fehler in einem Bewerbungsanschreiben sind demnach:

  • standardisiert, zu wenig Individualität (Vorlagen nur fĂĽr das Layout nutzen, nicht fĂĽr den Inhalt)
  • zu kurz, die GrĂĽnde fĂĽr die Bewerbung nicht ausfĂĽhrlich genug erläutert
  • Rechtschreibfehler (PC-Programm nutzen, Lehrer oder Berufsberater Korrektur lesen lassen)
  • dasselbe Anschreiben fĂĽr verschiedene Betriebe nutzen, ohne den entsprechenden Absatz ĂĽber das Unternehmen anzupassen (bei Bewerbung fĂĽr einen anderen Beruf, Anschreiben immer neu formulieren).

Dabei sind die Bewerbung und das Anschreiben laut Küsters „gerade für Bewerber bei größeren Unternehmen ein Thema, hier kann man sich von der Masse abheben und besser verkaufen als die Konkurrenz“.

Deshalb gilt, dass die Bewerbung in einem Top-Zustand sein muss:

  • Vorlagen besorgen
  • die BegrĂĽndung aufs jeweilige Unternehmen zuschneiden
  • die eigene Intention begrĂĽnden, Individualität reinbringen

Wichtig ist außerdem, dass man qualifizierte Praktikums­unterlagen beilegt. Denn ein Praktikum ist immer eine Möglichkeit, für sich selbst zu werben. Deshalb sollte man auch immer anbieten, ein Praktikum oder eine Hospitation zu absolvieren. „Bei kleineren Betrieben, etwa im Handwerk, kann es sich zudem lohnen, die Bewerbung persönlich vorbeizubringen“, sagt Küsters.

Deshalb sollte Bewerbern vor dem Shooting klar werden: Welches Ziel habe ich vor Augen und wo will ich hin? Dazu ist es notwendig, sich mit der Firma, bei der man sich bewirbt, auseinanderzusetzen und zu recherchieren, was die Firma macht und welche Aufgaben man in der Firma übernehmen möchte.

Die richtige Kleidung

Wenn man sich unsicher ist, welche Kleidung besser passt, rät die Experten, am besten zwei oder drei Outfits zum Fototermin mitzubringen, um dann vor Ort eine Entscheidung zu fällen. Damit die Entscheidung etwas leichter fällt, ist der Griff zu Kleidung und Schmuck, die die Firmenfarben des zukünftigen Arbeitgebers wiedergeben, von großem Vorteil.

Der richtige Blick

„Wichtig auf dem Foto ist vor allem das Lächeln, das keinesfalls fehlen darf. Selbst beim Vorstellungsgespräch und beim Vorabgespräch am Telefon sollte man lächeln, weil man dann automatisch freundlicher klingt“, erklärt Grabowski.
Weiterhin sollte nicht nur die Mimik im Gesicht eine freundliche Ausstrahlung rüberbringen, sondern auch die eigene Körperhaltung. Auf dem Foto also nicht verkrampfen, sondern den Körper in Richtung Kamera leicht vorbeugen und vor allem interessiert schauen.

Zudem sollte der Mund beim Foto leicht geöffnet sein. „Damit drückt man aus: Ich bin sprechbereit“, so die Fotografin. Am besten sei es, so Grabowski, der Bewerber beträchte sich vor dem Fototermin ein wenig länger im Spiegel und probiere einige Gesichtsausdrücke aus. Damit würde man sich mehr mit sich selbst beschäftigen und sehen, welche Vor- und Nachteile man hat. Jungen Frauen rät die Fotografin und ausgebildete Visagistin, sich matt zu schminken und die positiven Attribute wie Augen und Mund zu betonen, maximal drei Accessoires zu tragen und gewellte Haare am besten zu einer Seite legen oder mit einem Haargummi bändigen. „Der strenge Zopf nach hinten kann gerade bei beratenden Tätigkeiten wie Bankkauffrau Sachkompetenz vermitteln“, so die Fotografin. „Ein Schal sollte wiederrum nur dann gewählt werden, wenn er zu den anderen Sachen passt und nichts versteckt.“

Auswahl des besten Bewerbungsfotos

Am Ende der Fotostrecke, wenn es an die Wahl des besten Bewerbungsfotos geht, muss sich der Bewerber bewusst werden: Es geht nicht darum, das schönste Foto auszusuchen, sondern das, welches Freundlichkeit, Kompetenz und Leistungsbereitschaft ausdrückt. „Deshalb sollten sich die Bewerber die Bilder nicht subjektiv, sondern objektiv betrachten und sich fragen: Würde ich diese Person einstellen?“, fasst Graboswki zusammen. „Das erleichtert die Wahl des besten Bewerbungsfotos.“

 

Ist die Sprache im Internet auch vielfach kurz gehalten, gilt dies nicht für eine Online-Bewerbung. „Hier muss man sich genauso große Mühe mit dem Anschreiben geben wie bei einer schriftlichen Bewerbung“, betont Heike Jahn von der Arbeitsagentur. Das bedeutet: Es gelten dieselben Regeln für das Anschreiben, aber auch für den Lebenslauf wie bei der gedruckten Variante. Also: Auf Höflichkeit und eine gewisse Distanz achten („Sie“ statt „du“), Rechtschreibfehler unbedingt vermeiden. Flapsige Formulierungen, Abkürzungen oder lustige Symbole wie Smileys gehören nicht hierhin.

Der Anhang: 10 MB und mehr?

Zwar bewältigen viele E-mail-Programm auch Post von mehr als 10 Megabyte Größe, trotzdem sollte eine Online-Bewerbung inklusive Anhang nicht größer als 2 MB sein. Also schon beim Einscannen der Zeugnisse und Praktikums­nachweise darauf achten, dass die Qualität stimmt, aber nicht in Postergröße. Ein Deckblatt, wie es bei der schriftlichen Bewerbung möglich ist, gibt es übrigens nicht. 

Wer ist flotteschnecke_1994@yahoo.de?

Wer seine Bewerbung online verschickt, sollte darauf achten, eine seriöse Mail-Adresse zu verwenden. Post von „flotteschnecke_1994@yahoo.de“ landet beim Betrieb unter Umständen sofort im Papierkorb. Also wenn nötig, eine neue Mail-Adresse anlegen, am besten mit Vor- und Nachnamen. Auch den Betreff sinnvoll formulieren: „Bewerbung auf Stellenanzeige in … vom …“.

Foto – muss das sein?

Auch zu einer Online-Bewerbung gehört ein Foto. Am besten das Bewerbungsfoto aus dem Fotostudio einscannen und in den Lebenslauf einfügen – an derselben Stelle, an der es auch bei der schriftlichen Version platziert wird (oben rechts). Ist dies nicht möglich, den Lebenslauf ausdrucken, das Foto aufkleben und beides zusammen einscannen. Das Foto nicht einfach als separate Datei anhängen.

Kommt es auch an?

Bevor die Bewerbung an den Betrieb rausgeht, einfach mal die gesamte Mail sich selbst zuschicken und prüfen, ob sich alle Anhänge öffnen lassen und auch richtig dargestellt werden, beispielsweise ob die Absätze im Anschreiben noch vorhanden sind und der Blocksatz stimmt. 

Arbeitnehmer sollten deshalb ihr Netzprofil konsequent pflegen. „Im Social-Media-Bereich empfiehlt es sich, jedes Text- und Bildposting vor der Veröffentlichung selbstkritisch zu prüfen“, sagt Expterin Petra Timm. Der erste Gedanke sollte dabei sein: Möchte ich, dass mein jetziger oder künftiger Chef das hier sieht? Auch wichtig: Berufsnetzwerke wie Xing und Linkedin unterscheiden sich deutlich von Facebook oder Instagram. Private Kommentare und ein flirtender Unterton sind praktisch tabu. Der Umgang miteinander ist professionell und seriös. Und für das berufliche Netzwerken gilt: Kontakte nicht erst knüpfen, wenn bereits konkrete Unterstützung gesucht wird. Wer in Vorleistung geht, bleibt bei anderen in guter Erinnerung.